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Zeit der Hanse in Wismar

Die Zeit des Aufstiegs und der Blüte Wismars war geprägt von ständigen Machtproben und Konflikten zwischen der Stadt, dem Fürstenhaus und dem europäischen Ausland.

Bereits wenige Jahre nach der Stadtgründung trafen sich Vertreter Wismar und ihrer Nachbarstädte Lübeck und Rostock zu Gesprächen über ein gemeinsames Schutzbündnisses. Am 6. September im Jahre 1259 unterzeichneten die Gesandten der drei späteren Hansestädte den Schutzvertrag, der die Eindämmung der zunehmenden Piraterie zum Inhalt hatte. Die nun einsetzende schwungvolle Entwicklung wurde von Händlern und gewerbetreibenden Bierbrauer, Wollweber, Leinenweber, Grützmacher, Kerzenzieher und Böttcher bestimmt, die durch den Seehandel mit ihren produzierten Exportwaren hohe Gewinne erzielten. Der noch heute existierende, 10000 qm große Marktplatz der Hansestadt Wismar ist Ausdruck des eintretenden Wohlstands, aber auch gleichzeitig Zeuge der maßlosen Verschwendung jener Zeit.

Der 1259 unterzeichnete Schutzvertrag bildete den Ursprung des so genannten wendischen Quartiers, dem sich nach und nach immer mehr Städte entlang der Hansischen Ostseestraße anschlossen. Durch die Stärke und den wirtschaftlichen Aufschwung entwickelte sich Wismar zu einem stabilen Partner im Bündnis der Seestädte. In Anlehnung an die erfolgreiche Zeit der Hanse darf Wismar seit dem 18. Januar 1990 den Titel „Hansestadt” wieder in seinem Namen tragen. Der erste große Stadtbrand von 1267 führte dazu, dass viele Häuser der Stadt im Stile der damaligen Backsteingotik erbaut wurden, die noch heute die Stadtsilhouette in Einzigartigerweise prägen.

Der neu gewonnene Reichtum der Hansestadt Wismar weckte aber auch die Begehrlichkeiten des damaligen Landesherrn, der die unabhängige Stadt wieder in sein unmittelbares Herrschaftsgefüge integrieren wollte. So nutzte er die Absage der selbstbewussten Wismarer auf dem Marktplatz große Ritterturniere zu veranstalten und die Weigerung der Stadt, in ihren Mauern ein fürstliches Hochzeitsfest zwischen dessen Tochter Mechthild mit dem Herzog Otto zu Braunschweig-Lüneburg abzuhalten, als direkten Vorwand für eine militärische Großoffensive. Am 11. Juni 1311 begann der Angriff von Heinrich II. gegen Wismar, dem die Stadt trotz der Unterstützung Lübecks und Rostocks nicht standhalten konnte.

Von der Pest schwer gezeichnet, kam es in Wismar im Jahr 1350 zu einem erneuten Großbrand, der fast die gesamte Stadt in Schutt und Asche legte. Der Wiederaufbau erfolgte diesmal ausschließlich in Steinbauweise und lässt heute noch etwas vom Reichtum und Stolz der Hanseaten erahnen. Unter der Regentschaft des ersten Herzogs von Mecklenburg Albrecht II. gab es ein recht ausgeglichenes Verhältnis zwischen der Hansestadt Wismar und dem damaligen Fürsten. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen unterstützten sich die beiden Parteien gegenseitig und so kam es, dass Albrecht II. gemeinsam mit den Städten der Hanse in den Krieg mit Dänemark zog. Das Ende des Krieges  wurde im Stralsunder Frieden am 24. Mai 1370 besiegelt. Kurz darauf stattete der damalige Kaiser Karl IV. im Oktober 1375 den Hansestädten  Lübeck und Wismar einen Besuch ab.

In den Folgejahren kam es zu einer lang andauernde Auseinandersetzung zwischen dem neuen Fürsten Albrecht III., der gleichzeitig auch König von Schweden war und dem Königreich Dänemark, in die auch die Hansestädte Wismar und Rostock hineingezogen wurden. Der Konflikt wurde mit Hilfe von Kaperbriefen geführt, die für die eigenen Kriegsziele an Seeräuber wie z.B. Klaus Störtebecker oder Gödeke Michel übergeben wurden. Auch gewährte man den Kaperschiffen im Wismarer Hafen Zuflucht. Dies führte unweigerlich zu Spannung und Differenzen innerhalb der Hanse, da einige Städte für ihre gekaperten Schiffe Schadensersatzansprüche gegenüber der Hansestadt Wismar stellten. Schon zu diesem Zeitpunkt hatte die städtische Vereinigung der Hanse bereits viel von ihrem früheren Glanz verloren.

Am Anfang des 15. Jahrhunderts wohnten bereits ca. 8000 Einwohner in der Hansestadt Wismar und ihren Wohlstand zeigte sie durch monumentale Bauten wie der St.-Georgen-Kirche, die noch heute zu den Wahrzeichen von Wismar zählt. Vor allem die Bierbrauer der Stadt machten sich mit der so genannten Wismarer Mumme im gesamten Europa einen Namen. Das Wismarer Bier wurde zu einem heißbegehrten Getränk und Exportartikel, welches so erfolgreich war, dass einige Städte wie z.B. Lübeck ein Einfuhrverbote erließen.

Nach der Niederlage der hansischen Flotte gegen Dänemark im Jahre 1427, mit hohen Verlusten von Wismarer Schiffen, kam es daraufhin zu blutigen Unruhen unter der Führung von Claus Jesup. Der damalige Ratsherr und Oberbefehlshaber der Wismarer Streitkräfte Hinrich van Haren und auch der Bürgermeister Johann Banzkow wurden des Verrats angeklagt und zum Tode verurteilt. Im Herbst des Jahres 1427 erfolgte auf dem Marktplatz die Hinrichtung der beiden Angeklagten.

Die Hansestadt Wismar, in der zwischen 1330 und 1535 sage und schreibe 70 Hanseversammlungen stattfanden, verlor mit dem Niedergang der Hanse an Gewicht und Einfluss vergangener Generationen und ein starker Rückgang des Wohlstandes war nicht mehr aufzuhalten. In Gedenker an die wirtschaftliche Blütezeit der Hansestadt finden alljährlich die bei den Einwohnern beliebten Hafentage statt.