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Die Industrialisierung in der Hansestadt Wismar

Ein ganz neues Wirtschaftsleben erblühte mit Beginn der Industrialisierung. Vor allem die Podeusschen Hobel- und Sägewerke sowie die gleichnamige Waggonfabrik verzeichneten hohe Umsätze. Die schon seit Jahren ortsansässige Papierfabrik und die neu gegründete Zuckerfabrik trugen zur neuen Blüte der Hansestadt Wismar bei.

Die ersten Jahrzehnte nach dem Vertrag von Malmö und der damit verbundenen Rückgabe der Stadt und Herrschaft Wismar gestalteten sich sehr schwierig, da die Hansestadt nur lose an Mecklenburg angegliedert wurde. Selbst die Jahrhunderte alte Privilegien halfen der Stadt nur wenig und sollte sich später sogar als Hemmnis herausstellen. Auf Grund des napoleonischen Krieges und der mangelhaften Organisation verfiel die Stadt zunehmend und die Bevölkerungszahl schrumpfte von 8000 wie zur Blüte der Hansezeit auf 6254 im Jahre 1803. Das Rathaus der Stadt stürzte im Jahre 1807 sogar ein und blieb, teilweise noch benutzt, ein volles Jahrzehnt in Trümmern liegen.   

Nach dem der größte Teil der Schulden aus dem Siebenjährigen Krieg abgeleistet werden konnte, waren 1817 erste Anzeichen der Erholung sichtbar und der Wiederaufbau des Rathauses fand seinen Abschluss. In dieser Zeit wurde der junge Anton Johann Friedrich Haupt neuer Ratsherr und später auch Bürgermeister der Stadt, unter dessen Führung die Hansestadt langsam zu alter Stärke und Wohlstand fand. Um die Verkehrsanbindungen der Stadt zu verbessern, bemühte man sich neue Straßen zu bauen und begann durch das Aufkommen der Eisenbahn Strecken zu anderen Städten zu errichten. Dabei musste die Hansestadt Wismar immer wieder herbe Niederlagen einstecken. Die Linie zwischen Wismar und Hannover z.B. galt bereits durch einen Staatsvertrag als gesichert, kam aber auf Betreiben der Preußen nie zustande, so dass der erwartete Gewinn ausblieb. 1848/49 begann der Ausbau des Hafens und die Vertiefung Fahrrinne. Durch den Austausch der hölzernen Wasserleitungen durch gusseiserne wurde die Stadt Wismar vollständig neu gepflastert.

Wismar wurde nach und nach zu einem wichtigen Platz für die Einfuhr englischer Kohle, für Granit- und Kalksteine sowie nordische Hölzer. Die Ausfuhr erstreckte von landwirtschaftlichen Produkten über künstlichen Steine, Salze und Chemikalien und ein ganz neues Wirtschaftsleben erblühte mit Beginn der Industrialisierung. Vor allem die Podeusschen Hobel- und Sägewerke sowie die gleichnamige Waggonfabrik verzeichneten hohe Umsätze. Die schon seit Jahren ortsansässige Papierfabrik und die neu gegründete Zuckerfabrik trugen zur neuen Blüte der Hansestadt Wismar bei. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung war es notwendig eine erneute Erweiterung des Hafen durchzuführen. Auch gab es abermals Bemühungen eine neue Eisenbahnstrecke zwischen Lübeck-Wismar-Stettin zu installieren, die aber im Sande verliefen und es letztendlich nur zu einem Bau der Strecke nach Bad Kleinen kam.

1903 verzichtete das Land Schweden auf die Einlösung des Pfandes an Mecklenburg und Wismar ging nun endgültig in den Besitz des Herzogtums über. Der gestiegene Grad der Industrialisierung bedingte das Ansteigen der Einwohnerzahl auf 20.000, die sich vor allem aus Arbeitern und Angestellten der größeren und mittleren Betriebe. Um dem modernen Stand der Technik in den Betrieben weiter gerecht zu werden, waren gut ausgebildete Arbeiter notwendig und somit wurde im Jahre 1908 die Ingenieur-Akademie gegründet. Von nun an konnten Architekten, Bauingenieure und Maschinen- und Elektroingenieure für die industrielle Praxis und das Kommunalwesen ausgebildet werden.