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30-jähriger Krieg und Schwedenzeit

Schwedische Truppen landeten in Pommern und schlossen bereits 1631 Wismar ein. Nach monatelanger Belagerung der Stadt sah sich der kaiserliche Oberst am 7. Januar 1632 dazu gezwungen die mittlerweile verarmte Hansestadt an die schwedischen Invasoren zu übergeben. Von nun an war Wismar unter schwedischer Besatzung und konnte sich ein wenig erholen.

Auf Grund eines Bündnisses zwischen dem damaligen Herzog von Mecklenburg Friedrich I. und dem dänischen König Christian IV. erhielt der 30-jährige Krieg 1627 Einzug in das Herzogtum Mecklenburg. Nach der Niederlage dänischer Truppen bei Lutter belagerte das  kaiserliche Heer unter der Führung des Generals Hans Georg von Arnim die Hansestadt und forderte deren sofortige Übergabe. Schließlich wurde am 10. Oktober 1627 unter Vermittlung des mecklenburgischen Herzogs ein Vertrag vereinbart, der die Tore Wismars öffnete und die Stadt demzufolge auch dazu verpflichtete 1000 kaiserliche Soldaten aufzunehmen. Mit Unterzeichnung des Vertrages gab die Hansestadt Wismar seine Jahrhunderte überdauernde Selbstständigkeit auf.

Im Jahre 1630 veränderte der Kriegsverlauf die Situation der Stadt Wismar grundlegend. Schwedische Truppen landeten in Pommern und schlossen bereits 1631 Wismar ein. Nach monatelanger Belagerung der Stadt sah sich der kaiserliche Oberst am 7. Januar 1632 dazu gezwungen die mittlerweile verarmte Hansestadt an die schwedischen Invasoren zu übergeben. Von nun an war Wismar unter schwedischer Besatzung und konnte sich ein wenig erholen. Den alten Privilegien der Stadt geschah kein Abbruch und die Befugnisse des Rates wurden nicht angetastet. Als im Oktober 1648 der Westfälische Frieden besiegelt wurde, gingen die Stadt und Herrschaft Wismar als immerwährendes und unmittelbares Reichslehen an das Königreich Schweden über. Hierzu gehörten die Stadt sowie der Hafen, die Insel Walfisch, das Amt Neukloster und Teile der Insel Poel.

Gegen Kriegsende war die florierende und einflussreiche Hansestadt Wismar völlig verarmt und trostlos. Nichts war mehr zu sehen vom ehemals blühenden Handel bzw. der früheren, starken Wirtschaftskraft und daher wundert es nicht, dass weit mehr als 1000 Menschen den immer wieder kehrende Hungersnöten und Seuchen, vor allem der Pest, zum Opfer fielen. Um diesen Missständen ein Ende zu beseitigen, machten die schwedische Regierung sich daran einen Stadtkommandanten in der Seestadt Wismar zu installieren.

So wurde im Mai 1653 damit begonnen das Königlich-Schwedische Tribunal als obersten Gerichtshof für alle deutschen Provinzen unter schwedischer Herrschaft zu errichten unter der Führung des königlichen Stadthalter der Stadt Wismar. Als Bindeglied zu den anderen schwedischen Besitztümern auf deutschem Boden (Bremen, Verden, Vorpommern mit der Insel Rügen, Stettin und Teile Hinterpommerns) war die Hansestadt Wismar aus strategischer Sicht unersetzlich für das Königreich Schweden. Aus diesem Grund wurde die schwedische Garnison verstärkt und der schon unter Wallenstein begonnene Ausbau des Festungswerke weitergeführt.

Das Königreich Schweden entwickelte sich über die Jahre zu einer europäischen Großmacht und beherrschte den gesamten Ostseeraum. Dies hatte zur Folge, dass es zu erneuten kriegerischen Auseinandersetzungen mit Dänemark kam, in die auch Wismar mit einbezogen wurde. Im Jahre 1675 belagerten dänische und brandenburgische Truppen die Stadt und sperrten die komplette Hafenzufahrt. Unter schwerem Beschuss durch Seite der Däne, kapitulierte Wismar. Nach 5 Jahren unter dänischer Herrschaft wurde die Stadt 1679 auf diplomatischen Wege wieder an Schweden übergeben.

Abermals wurden seitens der Schweden die Arbeiten an den Festungswerken weitergeführt und schließlich umschloss ein wahrer Festungsgürtel die komplette Stadt, einschließlich dem Hafen. Mit dem Ausbau der Festung unter der Federführung von Erik Dahlberg, der auch das neu gebaute Zeughaus konzipierte, wurde Wismar eine der stärksten Seefestungen Europas. Die schwedische Garnison zählte zeitweise über 3000 Mann, die in der Stadt wohnten, in der St.-Marien-Kirche zur Andacht gingen oder auch dort  heirateten. Neben den schwedischen Soldaten kamen auch Schiffbauer, Handwerker und Kaufleute in die Hansestadt Wismar und versuchte hier eine neue Existenz gründen. Durch die von der schwedischen Regierung eingeleiteten Maßnahmen trugen dazu dabei, dass sich die Stadt zu Beginn des 18. Jahrhunderts ein wenig von den Folgen des 30-jährigen Krieges erholen konnte.

Im Dezember 1711 belagerten erneut dänische, hannoversche und preußische Truppen die Stadt und Wismar erlitt große Schäden durch den Beschuss mit einer bis dahin unbekannten Bombenart. Trotz der mutigen Unterstützung von städtischen Hilfstruppen, bestehend aus Handwerksgesellen und jungen Männern aus der Bürgerschaft, konnte die Verteidigung der Stadt auf Grund von Seuchen und Versorgungsengpässen nicht erfolgreich durchgeführt werden. So kam es am 19. April 1716 zur Kapitulation der Stadt Wismar und in Folge dessen mussten auf Befehl der Alliierten die Festungsanlagen in der Stadt und auf der Insel Walfisch beseitigt werden. Im Juli 1720 mit dem Friedensschluss von Frederiksborg sprach man die Stadt Wismar, die Insel Poel und das Amt Neukloster wieder dem Königreich Schweden zu, machte es aber zur Bedingung, dass Wismar von nun an nie wieder befestigt werden durfte.

Nach der Niederlage Schwedens verlor das Land seine Großmachtstellung in Europa und musste seine Territorien Verden und Bremen an Hannover abtreten. Finanziell völlig ruiniert gab es mehrfache überlegungen das Besitztum Wismar Gewinn bringend zu veräußern. Als schließlich preußische Truppe im „Siebenjährigen Krieg” die Hansestadt Wismar eroberten, plünderten und oben drein noch eine Reparationszahlung von 102.700 Talern zur Beseitigung der Kriegsschäden verlangten, sah das Königreich Schweden sich dazu gezwungen den Wismarer Rat zu ermächtigen, Kirchen- und Stadtgüter zu verpfänden, um Gelder aufzubringen. In den folgenden Jahren kümmerte sich die schwedische Regierung nur noch wenig um die Belange ihrer Territorien auf deutschen Boden.

Am 26. Juni 1803 trafen sich Unterhändler Schwedens und Mecklenburgs zu Verhandlungen über die Rückgabe Wismars und den ämter Poel und Neukloster. Für die unglaubliche Summe von 1.250.000 Talern ging die Stadt und deren ämter an den Herzog von Mecklenburg, allerdings mit dem Recht der Wiedereinlösung durch Schweden nach 100 bzw. 200 Jahren. Die feierliche übergabe der Hansestadt Wismar an den mecklenburgischen Kammerdirektor von Brüning erfolgte am 19. August 1803 durch den schwedischen Kommisar von Thun im Festsaal des Fürstenhofs. In Anlehnung an die Schwedenzeit und die Rückgabe der Stadt an Mecklenburg findet in der Hansestadt Wismar jedes Jahr ein mehrtätiges Volksfest, das Schwedenfest, statt.